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Wenn der Klang die Seele hebt
Foto: privat

Wenn der Klang die Seele hebt

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Jennifer von Glahn

Depression ist eine Erkrankung, über die man nicht gern spricht. Umso wichtiger ist es für das Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen, das Thema dorthin zu holen, wo es hingehört: in die Öffentlichkeit.

„Man kann sich doch mal zusammenreißen“, heißt es schnell. Oder: „Geh doch mal raus, dann geht’s dir besser.“ Wer so etwas sagt, hat meist noch nie erlebt, wie sich eine Depression wirklich anfühlt – und wie wenig sie mit „schlechter Laune“ zu tun hat. Depression bremst. Sie nimmt Antrieb, Energie und Struktur.

Umso wichtiger ist es für Kerstin Scotland vom Vorstand PsyNet e.V., Mitglied im Bündnis gegen Depression, dass das Thema ernst genommen wird. Gemeinsam mit der Diakonie organisiert das Bündnis seit Jahren Aktionen, Workshops und Kulturangebote, die Betroffenen Wege zeigen sollen, wieder in Bewegung zu kommen – innerlich wie äußerlich. Und manchmal beginnt dieser Weg mit Musik.

Singen als Türöffner

Der Funke sprang bei einer Chorprobe über. Chorleiter Chris Riedel, der im Vest verschiedene Chorprojekte leitet, hatte das Bündnis mit Spenden aus Aufführungen unterstützt. Doch Riedel wollte sich auch aktiv engagieren. So entstand die Idee zu einem offenen Chor-Workshop, der Betroffenen ermöglicht, ihre Stimme – und ein Stück Leichtigkeit – wiederzufinden.
„Es ist unglaublich, wie sehr Menschen beim Singen in ihrer eigenen Welt versinken können“, erzählt der Chorleiter. „Man vergisst für einen Moment alles um sich herum. Gerade für Menschen mit Depressionen kann das wie ein Fenster sein, das plötzlich aufgeht.“
Die Workshops sind bewusst niedrigschwellig angelegt: keine Notenkenntnisse, keine Anmeldung, kein Leistungsdruck. Stattdessen gibt es Einsingübungen, Lockerung für Körper und Kopf – und dann geht es los, oft sogar mehrstimmig.
„Das Schöne am Chorgesang ist, dass niemand allein ist“, sagt Riedel. „Man hört aufeinander, man stützt sich gegenseitig. Dieses Gefühl von Zugehörigkeit kann Wunder wirken.“

Musik erreicht, was Worte oft nicht schaffen

Kerstin Scotland

Warum ausgerechnet Singen hilft? „Emotionale Erinnerungen sind im Gehirn besonders stark verankert“, erklärt Riedel. „Selbst Menschen mit Demenz können oft noch Lieder mitsingen. Und auch wer einen schlechten Tag hat, kann über Musik positive Gefühle aktivieren.“
Beim letzten Workshop im Herbst sangen rund 30 Menschen mit. Die Liedauswahl reichte von Klassikern wie „Über den Wolken“ über englische Titel bis hin zu exotischen Stücken und sogar einem Gospel.
„Der Workshop setzt genau da an“, erklärt Kerstin Scotland. „Die Menschen merken: Ich bin nicht allein. Es gibt andere, die auch kämpfen – und es gibt Wege zurück ins Licht.“ Singen ersetze keine Therapie, könne aber ein Anfang sein.

 

Ein nächster Termin – und Hoffnung

Nach dem großen Zuspruch wird der nächste Workshop am Mittwoch, 11. März 2026, um 18.30 Uhr im Matthias-Claudius-Zentrum stattfinden.
Eines ist sicher: Auch dann wird wieder gemeinsam geatmet, gesungen und gelacht – und hoffentlich der ein oder andere dunkle Gedanke ein bisschen heller.

Info Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen

Elper Weg 89
45657 Recklinghausen

www.diakonie-kreis-re.de

Matthias-Claudius-Zentrum Oer-Erkenschwick

Halluinstraße 26
45739 Oer-erkenschwick

www.diakonie-kreis-re.de/pflege/altenwohn-pflegeheime/matthias-claudius-zentrum/

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