Mit dabei sein, mitreden, mitgestalten – das neue Zuhause des KiJuPa ist ein Treffpunkt für gelebte Demokratie.
Die Tür steht offen. Stimmen drin – leise im Hintergrund, irgendwo wird gelacht – das Kinder- und Jugendparlament von Oer-Erkenschwick hat ein neues Zuhause gefunden. Berliner Platz 6, einst ein Schmuckladen, später eine Spielhalle – jetzt ein Ort, an dem junge Menschen laut werden dürfen. Und das wollen sie auch. „Wir haben hier alles selbst gemacht“, sagt Michaela Bürger vom Jugendamt, die das Projekt begleitet. „Möbel gebaut, gestrichen, eingerichtet. Selbst die Farben haben die Jugendlichen gewählt.“
Ein Fernseher hängt an der Wand, daneben eine Chill-Out-Ecke, Plakate mit Themenideen: Umwelt, Mobbing, Digitalisierung. Alles wirkt durchdacht, lebendig – und vor allem: selbstbestimmt. 120 Quadratmeter stehen zur Verfügung, darunter ein großer Kellerraum als Lager. Hier ist Platz für Fahrräder, Bastelmaterialien und die vielen Ideen der Aktiven. Und die haben einiges vor: Sie planen Workshops zu Mobbing und Digitalisierung, organisieren Stadtpark-Camps mit Hüpfburg und Button-Maschine, gestalten Ausstellungen zu Nachhaltigkeit, besuchen Altenheime oder feiern mit beim CSD.
Immer geht es darum, eigene Themen einzubringen – und ernstgenommen zu werden. „Wir machen nie nur eine Sache“, sagt Michaela. „Immer mehrere Aktionen parallel.“ Im KiJuPa sind Jugendliche wie Yasmin (17), die sich schon lange für Politik interessiert, oder Till (12), der als stellvertretender Klassensprecher weiß, wie wichtig Mitbestimmung ist. Für ihn ist es wichtig, dass Kinder wie er mitentscheiden können. Nicht nur mitlaufen, sondern gestalten. Yasmin, 17, sieht das genauso: „In der Schule hatten wir eine AG, da habe ich mich sofort beworben. Jetzt bringe ich mich im KiJuPa ein – weil ich der Gesellschaft etwas zurückgeben will.“
Die Türen des neuen Raumes stehen offen. Wer will, kann einfach hereinkommen. Niemand muss sich anmelden, kein Formular ausfüllen. Es geht um Mitmachen, nicht um Bürokratie. „Wir wollen den Kindern nichts vorsetzen“, sagt Bürgermeister Carsten Wewers. „Sie sollen ihre eigenen Themen finden – und die Verantwortung dafür übernehmen. Die Stadt stellt Räume, Strukturen und Unterstützung. Den Rest machen die Jugendlichen selbst.“ Politische Bildung, aber nicht von oben. Beteiligung, aber echt. Was hier entstanden ist, ist mehr als ein renovierter Raum – es ist gelebte Demokratie mitten in Oer-Erkenschwick. Türen auf, Demokratie rein.